Bio-Lebensmittel

Lebensmittel aus biologischem Anbau erfreuen sich in der Schweiz einer stetig wachsenden Nachfrage. Wie einer Mitteilung des Kompetenzzentrums für landwirtschaftliche Forschung (Agroscope) zu entnehmen ist, wurden im Jahr 2011 rund 8 Prozent aller Ausgaben im Food-Bereich für Bioprodukte verwendet. Im Jahr 2006 waren es noch 6,5 Prozent.

Auffällig ist, dass Haushalte mit Kindern weniger Bio-Lebensmittel kaufen als Singles oder kinderlose Paare. Dennoch ist auch bei den Familien ein Anstieg des Konsums zu verzeichnen – offenbar entschließen sich immer mehr Eltern dazu, ihre Kinder mit ökologisch unbedenklichen Lebensmitteln zu versorgen.

Bei aller Begeisterung für Bio-Food lässt sich jedoch nicht verleugnen, dass es in diesem Bereich erhebliche Qualitätsunterschiede gibt. Viele Lebensmittel-Produzenten versuchen, auf den Zug aufzuspringen und bringen Produkte auf den Markt, deren Nutzen eher zweifelhaft ist. Jeder will ein Stück des Kuchens, der von Jahr zu Jahr größer wird. Dass da die Qualität bisweilen auf der Strecke bleibt, ist eine logische Konsequenz.

Das Label gibt Aufschluss über die Herkunft

Als Verbraucher ist man gut beraten, sich beim Kauf an den Labelaufdrucken zu orientieren. Bezeichnungen wie “öko”, “ökologisch” oder “biologisch” deuten an, dass es sich bei den Lebensmitteln tatsächlich um Waren aus kontrolliertem Anbau handelt. In der Schweiz werden die meisten Bio-Lebensmittel mit dem Knospenlabel von Bio-Suisse, einer Vereinigung von Schweizer Ökolandbau-Organisationen, versehen. Die Mitglieder des Verbandes unterwerfen sich strengen Richtlinien, die die Verwendung von Zusatz- und Hilfsstoffen genau regeln.

Vorsicht ist geboten, wenn sich auf den Produkten die Bezeichnungen “integriert”, “alternativ” oder “kontrollierter Vertragsanbau “ finden: Solche Formulierungen dienen lediglich dazu, den Verbraucher in die Irre zu führen. Weiterhin ist zu bedenken, dass die Kontrolleure bei der Lebensmittelbewertung einen Ermessensspielraum haben. Unter Umständen kann sich dies zugunsten eines Bauern auswirken, zumal die meisten Inspektoren selbst im Ökolandbau tätig sind.

Neben objektiven Kriterien wie dem Verzicht auf Toxine und andere Schadstoffe lässt sich die Qualität eines Bio-Lebensmittels auch anhand des Geschmacks beurteilen. Bio-Gurken aus spanischem Anbau, die angeblich viele Vitamine enthalten, schmecken häufig nicht besser als holländische Gewächshausgurken, die 50 bis 60 Prozent weniger kosten.

Alles nur Schwindel?

Einer der schärfsten Kritiker des biologischen Anbaus ist der Amerikaner Alex Avery. Der Direktor der Abteilung für Forschung und Weiterbildung am Center for Global Issues des Hudson Institues stellt in seinem umstrittenen Buch “The truth about organic foods” die Behauptung auf, dass biologische Lebensmittel dem Käufer keinerlei Mehrwert bieten. Tatsächlich seien die wenigen Studien, die Bioprodukte in einem positiven Licht erscheinen lassen, ohne Ausnahme von der Bioindustrie durchgeführt oder finanziert worden. Eine wissenschaftliche Grundlage für derartige Aussagen gebe es nicht.

Der Direktor des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL), Urs Niggli, wirft Avery vor, die wissenschaftliche Literatur einseitig zu zitieren. Andere Kapazitäten auf dem Gebiet des Bio-Anbaus melden ebenfalls Zweifel an den Thesen Averys an. Es wird unter anderem darauf hingewiesen, dass sein Institut von weltweit operierenden Agrarkonzernen wie Monsanto finanziell unterstützt wird. Folglich handele es sich bei seien Untersuchungen nicht um ergebnisoffene Recherchen, sondern um Auftragswissenschaft.

Wie gesund sind Bio-Lebensmittel wirklich?
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